Milton Franklin Weber

1910 Graz – 1968 Evanston

Milton F. Weber, geboren am 30. Mai 1910 in Graz, war ein österreichisch-amerikanischer Geiger, Dirigent und Musikpädagoge. Ausgebildet am Grazer Konservatorium und bei bedeutenden Privatlehrern, entwickelte er sich schon früh zu einem vielseitigen Musiker. In Graz wirkte er als Solist, Konzertmeister und Orchesterleiter.

Das Milton Weber Kulturzentrum – dem Andenken eines Gerechten gewidmet:
treu geblieben, entrechtet, verfolgt.

Sein Leben wurde jedoch nicht nur durch Musik geprägt. 1934 heiratete er eine jüdische Frau und trat selbst zum Judentum über. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland 1938 wurde diese Verbindung zum Ausgangspunkt staatlicher Verfolgung. Weber machte aus seiner antinazistischen Haltung auch dann keinen Hehl und arbeitete für die Auswanderungsabteilung der Grazer Kultusgemeinde. Er blieb seiner Frau und seinem Kind treu – in einer Zeit, in der Anpassung, Opportunismus und Verrat für viele der leichtere Weg waren.

Weber wurde in der Folge seiner Funktionen enthoben, verlor seine berufliche Stellung und wurde von den Nationalsozialisten in die Entrechtung und Verfolgung der jüdischen Bevölkerung einbezogen. Im April 1939 brachten Weber und seine Frau ihren kleinen Sohn mit einem Kindertransport nach Schweden in Sicherheit. Kurz darauf flohen sie gemeinsam mit Webers Schwiegermutter nach Italien. Während seine Frau und deren Mutter weiter nach Frankreich gelangen konnten, blieb Weber in Italien zurück. Nach dem Kriegseintritt Italiens wurde er als „feindlicher Ausländer“ inhaftiert und in Lagern in Campagna und Tortoreto interniert. 1941 gelang ihm die Emigration in die USA.

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In Graz wirkte Milton F. Weber als Solist, Konzertmeister und Orchesterleiter.

Seine Frau konnte vor der Verfolgung aus Frankreich in die Schweiz fliehen; seine Schwiegermutter wurde verhaftet, aus Drancy nach Auschwitz deportiert und ermordet. Nach Kriegsende konnte Weber seine Frau und seinen Sohn in die USA nachholen.

In Amerika begann Weber ein neues Leben. Trotz Krankheit und Kriegsdienst nahm er seine musikpädagogische Arbeit wieder auf. In Wisconsin wurde er zum prägenden Gründer und Dirigenten des Waukesha Symphony Orchestra, das unter seiner Leitung überregionale Anerkennung gewann. Sein Traum war es, Musik nicht als Vorrecht weniger, sondern als gemeinsame kulturelle Aufgabe vieler Menschen zu verstehen. Er förderte Kinder, Jugendliche, Studierende, Amateurmusikerinnen und -musiker ebenso wie professionelle Kräfte.

Milton F. Weber starb 1968 in den USA. Sein Lebensweg steht für künstlerische Begabung, Zivilcourage und menschliche Anständigkeit. Er war ein Musiker, der Verfolgung, Flucht und Verlust erfahren musste – und der dennoch nicht verbitterte, sondern in der Musik eine Kraft der Bildung, der Freiheit und der Gemeinschaft sah. Seine Treue zu seiner Familie und dem Judentum, seine klare Haltung gegen den Nationalsozialismus und sein Neubeginn in Amerika machen ihn zu einem Menschen, dessen Erinnerung in Graz einen besonderen Ort verdient.

Die jüdische Gemeinde widmet daher das jüdische Kulturzentrum dem Andenken dieses besonderen Menschen.

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